Sie sind Helden

Das Wetter war heute morgen den Frauen gewogen. Das hatte ich schon erwähnt. Aber zwei Stunden später kam dann ein gewaltiges Gewitter. Mit einem Riesen-Regen.

Nein, ich scheue mich nicht, die Wahrheit auszusprechen: Unser Tour-à-France-Team, das sind allesamt Helden. Helden der Landstraße. Giganten der Selbstüberwindung. Titanen der Körperbeherrschung, Recken der Radfahrkunst. Heute haben Sie gezeigt, was in Ihnen steckt.

Tassen waschen im Regen
Tassen waschen im Regen

Wie gesagt, da war dieses Gewitter mit dem dreiviertelstündigem Platzregen bei Zundert, unmittelbar an der belgischen Grenze. Danach ein Regenschauer nach dem anderen, mal mehr mal weniger stark. Das Team fuhr weiter. Ich habe zweimal nachgefragt, ob ich wirklich nach Goes (sprich: Chus) weiterfahren und Quartier machen solle. Ja, sagten sie, mach Quartier. Als ich dann auf der A58 in das sogenannte Bevelland zwischen Ost- und Westschelde einfuhr, sah ich die Bescherung: Plötzlich kaum noch Bäume, der Wind peitschte ungebremst vom Meer über das Land, trieb einen Regenschauer nach dem anderen vor sich her. Für die Radler selbstverständlich als Gegenwind. Das erste Hotel ausgebucht, ich frage nochmal per Telefon, ob trotz des Sturmes … „ja, buche“. Ich also weiter und wirklich ein Hotel gefunden.

Da sitze ich nun und harre meines tapferen Teams. Dieser Pedalritter der Herzen.

Aber wenigstens hat das mit dem Internet geklappt und ich kann zum Trost die Kommentare aus aller Welt auch heute abend wieder vorlesen …

Nachtrag:

Gegen 18:15 kamen sie dann eingeritten. Froh, stolz, glücklich – und natürlich auch abgekämpft. 98 km hatten sie von Breda bis Goes zurückgelegt, die letzten 30 bei Windstärken zwischen 6 und 8. Zum Glück hatte wenigstens der Regen am Nachmittag nachgelassen. Eine große Pause hatten sie gemacht, beim Wirt einer Kneipe namens „Pannekoken“, der sie unbedingt zum Zelten auf seinem Campingplatz im Wald überreden wollte, weil doch so ein Sturm sei. Aber da stieß er bei unseren Helden auf Granit. Denen macht Wetter gar nichts.

Holland wird im Sturm erobert
Holland wird im Sturm erobert

Nachricht an Calle: Mir ist der 135-Tonnen-Hänger von der Anhängerkupplung gesprungen (nichts Schlimmes passiert). Wir bräuchten ein neues Sicherungsseil zum Auslösen der Bremse – wenn Du eins vorrätig hast … Ansonsten: Deine Nachricht (Donnerstag-Ankunft) hab ich gelesen, am besten rufst Du an – wir werden wohl noch in der Nähe von Brugge sein.

Gudrun aus Berlin hatte in einem Kommentar ein paar allgemein interessierende Fragen gestellt, die ich deshalb mal ausnahmsweise hier beantworte:

Die Kondition nach 9 Tagen Tour ist super. Sagt zumindestens Petra. Krämpfe hatte kein Mitfahrer – es gibt ja genügend Pferdesalbe.

Genug zu essen? Nein, daran mangelt es. Die Radler kommen in der Regel tagsüber nur mit den am Morgen geschmierten Broten aus. Dafür gibt es dann am Abend entweder was leckeres aus Kühltruh oder Hotelrestaurant. Auf alle Fälle aber ein wenig Flüssignahrung zum Ausgleich. Und manchmal auch etwas mehr. Im Schnitt sind die Fahrer so 8 bis 9 Stunden unterwegs, bei insgesamt 2 bis 3 Stunden Pause.

Ob wir im Plan sind? Weit übererfüllt! Um im Controllerdeutsch von Marianne zu reden: Wenn das estimate bei insgesamt 1000 zu fahrenden Kilometern liegt, haben wir 80 Prozent in der Tasche. Oder einfach gesagt: 798 km Fahrradtour sind absolviert, Bonningues liegt etwa 200 km von hier entfernt. Wir haben noch sieben Tage Zeit – Die Reststrecke könnten wir fast laufen. Deshalb ist auch ein Ruhetag in Brugge geplant.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt laut Fahrradcomputer bis heute 16,8 km/h, gestern sank sie teilweise auf 8 km/h (wegen des Sturms).

Was war noch? Ach ja, die Frage nach dem Sex: Wir haben Urlaub!

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