Kanonen im Sturm

Wie man hier Urlaub machen kann ist weiterhin rätselhaft. Nicht nur die riesigen Hochhäuser in unmittelbarer Strandnähe und die Menschenmassen in den Küstenorten – auch die Natur ist hier gegen jede Art der uns bekannten Erholung. Ständig weht eine sehr sehr steife Brise von See her auf das Land. Und trägt jede Menge Sand mit sich, der sich zu meterhohen Dünen aufschichtet. Wobei letzteres ein Glück ist: So konnten unsere tapferen Radler auf der Rückseite der Sandgebirge ein wenig geschützt von Blankenberge bis zu unserem neuen Übernachtungsort Oostduinkerke radeln – insgesamt 50 Kilometer.

Wie kann man hier Urlaub machen?
Wie kann man hier Urlaub machen?

Während es die Radler heute relativ ruhig hatten, artete der Tag für mich in Stress aus. Am Morgen hatte ich noch mehrfach versucht, das Internet zur Kontaktaufnahme mit mir zu bewegen – vergeblich. Dann habe ich ein Hotel gesucht und mit dem „La Rose des Sables“ auch ein sehr schönes gefunden. Gerade wollte ich zurück zur Truppe, da erreicht mich ein Anruf aus Lübeck: Anschläge in London, wir brauchen ein Sonderseite im Internet. Also hieß es kurz Urlaub unterbrechen. Dann Fahrt zurück nach Oostende, weil die Tour-à-France auf mich wartete. Gemeinsames Kulturprogramm, zurück ins Hotel, nochmal Dienst gemacht.

Währenddessen startete die die Truppe erneut im Regen, trat tapfer gegen den Seitenwind an, besichtigte die Hochhäuser der Küstenorte und genoss den Verkehr neben der Nationalstraße. Calle, der heute früh um vier Uhr wieder zu uns stieß, achtete darauf, daß sie nicht in die Straßenbahn einstiegen, die Knokke an der holländisch-belgischen Grenze mit De Panne an der französisch-belgischen Küste verbindet.

Bogo ist gut auf den Regen vorbereitet
Bogo ist gut auf den Regen vorbereitet

Und die Tour-à-France leistete sich erneut einen kulturellen Höhepunkt: den Besuch des Atlantikwall-Museums, in dem man originale deutsche Bastionen aus dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg besichtigen konnte. Mit noch aufgebauten Kanonen, die dem Sturm von der Seeseite auch 60 Jahre später noch trotzen, Mannschaftsräumen, unterirdischen Verbindungsgängen, zahlreichen Militaria und wirklich liebevoll aufgebauten Szenen aus dem Soldatenleben. Zugegeben, nicht unbedingt der Wunsch der Frauen. Petra zum Beispiel meinte, sie wolle nicht andauernd neue Stellungen kennelernen. Aber warum soll nicht auch einmal den Männern eine Freude gemacht werden?

Bizarr und wohl auch ein wenig beängstigend: Über den ehemaligen deutschen Stellungen flogen Kampfhubschrauber Patrouille. 6 Stück, den gesamten Strandnahen Bereich immer hoch und runter. Wohl auch eine Folge von London.

Zuvor hatte sich das Team zwei andere wichtige Wünsche erfüllt: was Fischiges zum Mittag (Matjes und Scampi) und eine Besichtigung der Sandberge, die sie hier Wanderdünen nennen.

Morgen werden wir dann wohl endlich die französische Grenze erreichen. Der Plan: Wir suchen uns was Schnuckeliges und machen von dort noch ein oder zwei Abstecher zu lohnenden Zielen der Umgebung. Canterbury zum Beispiel.

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Wird Friedhelms Traum vom Fahrrad im Tunnel doch noch wahr? Was macht Petra mit ihrem Wissen um die deutschen Stellungen? Wir werden es an dieser Stelle enthüllen!

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