Triumphaler Empfang

Geschafft! Die Tour-à-France ist in Bonningues eingerollt. Und wurde begeistert empfangen. Von nahezu 2000 Einwohnern, die sich … nein, es fällt schwer sachlich zu bleiben, aber der Berichterstatter muß es, von ungefähr 50 Einwohnern, die trotz der kurzen Vorbereitungszeit eine eindrucksvolle Begrüßungsparty auf die Beine gestellt hatten.

Zuvor hatte die Tour-à-France einen allerletzten Stopp eingelegt. An der Autobahnabfahrt Bonningues gibt es einen kleinen Parkplatz, auf dem sich das gesamte Team einfand: Die Radler selbstverständlich, die beiden Begleitfahrzeuge mit Hänger, der VW-Bus von Friedhelms Frau Evelyn und das Fahrzeug der Familie Bastian, letztere kamen beide am frühen Nachmittag aus Krummesse nachgereist. Friedhelm und Calle holten aus den Tiefen des Hängers Flaggen, Bänder in den Nationalfarben und Luftballons und dann wurden alle Fahrzeuge geschmückt.

Letzte Vorbereitungen
Letzte Vorbereitungen

Die letzten 800 Meter wurden im Konvoi mit Hupe und Lichtsignalen zurückgelegt. Zum Leidwesen unserer Radler liegt der Ortseingang von Bonningues auf einem Hügel – da hieß es noch einmal kräftig in die Pedalen zu treten. Auf dem Hügel Aufstellung zum Siegerfoto vor dem schon bekannten Ortsschild von Bonningues (siehe ganz oben auf dieser Internet-Seite). Noch einmal aufs Rad, die Autos schmissen wieder alle Hupen, Scheinwerfer und Warnblinkanlagen an und die Tour rollte endlich in den Ort ein.

Geschafft: Am Ortsschild von Bonningues
Geschafft: Am Ortsschild von Bonningues

Vor der Mairie (Bürgermeister-Amt) hatten die Bonninguer eine menschliche Mauer quer über die Straße gebildet. Sie hatten schon einen Fehlalarm erlebt: Marcel, ein älterer Amateur-Radler aus Bonningues, der abends immer noch eine Runde im Lance-Armstrong-Trikot rund um die Dörfer dreht, war doch sehr überrascht als er um die Ecke geradelt kam und ein Riesen-Jubel ausbrach.

Um so größer dann die Begeisterung, als die Erwarteten um 19:12 auf die rue de l’Anglais einbogen. Kameras surrten, Fotoapparate klickten, die Masse jubelte.

Menschliche Mauer vor der Mairie
Menschliche Mauer vor der Mairie

Nachdem die Räder abgestellt waren gab es zunächst ungefähr 6000 Begrüßungsküßchen (je nach Bekanntschaftsgrad ein oder zwei auf jede Wange) und dann ging das große Deutsch-Französische Palaver los. Friedhelm überreichte als Geschenk eines unserer extra für die Fahrt angefertigten T-Shirts mit den Bildern aller Teilnehmer und der gefahrenen Strecke auf dem Rücken, Claudette, die Bürgermeisterin von Bonningues, würdigte in einer kurzen Ansprache die enorme Leistung der deutschen Freunde und erklärte, daß die Franzosen nun stolz an die Herausfoderung gehen würden, als nächstes die Partner zu Fuß zu besuchen.

Sie sinds die es geschafft haben!
Sie sinds die es geschafft haben!

Dann wurde zum Sektempfang in den Garten der Bürgermeisterei gebeten. Jacques, Präsident der Städtepartnerschaft Bonningues-Krummesse, lockte die Radler unter einem Vorwand von den anderen weg, um dann Formel-1-gleich Sekt über sie zu gießen. Vom kalten Buffet gab es reichlich Stärkung – viele Familien hatten schnell noch etwas fertig gemacht und in die Bürgermeisterei gebracht. Friedhelm erläuterte begeistert an seinen Lippen hängenden Damen des Ortes (ich will nicht von Groupies sprechen) stolz die vorbereiteten Karteikarten mit den einzelnen Tour-Etappen.

Nach der Sekt-Dusche
Nach der Sekt-Dusche

Wer dachte, nun habe die Feierei ein Ende sah sich schwer getäuscht: Als nächstes hatten die Franzosen ein Barbecue zu Ehren der deutschen Gäste vorbereitet, auch alles aus Eigenmitteln. Es wurde zum Sportplatz gebeten, wo im Sportlerheim der Fußballer ein weiteres Buffet vorbereitet war, mit Salaten, Baguettes, herrlichem französischen Käse, wunderbaren Nachspeisen. Dazu floß belgisches Bier in Strömen, die Frauen wurden zu harten Mischungen aus Sekt und Rosé-Wein genötigt.

In Frankreich kein Problem: Oskar, Friedhelms Enkel, wird auf dem kalten Buffet gewickelt.
In Frankreich kein Problem: Oskar, Friedhelms Enkel, wird auf dem kalten Buffet gewickelt.

Ab dem Zeitpunkt, an dem die Franzosen in wunderbarer Eintracht „Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit“ schmetterten (in Deutsch!) schien dem Berichterstatter die Feier etwas aus der Kontrolle zu geraten. Allerdings kann er auch nicht viel dazu sagen, da er selbst es wohl auch ein wenig war. Gerüchte sprechen von einer Wasserschlacht nach 2 Uhr morgens.

Den Tag selbst hatten wir im Großen und Ganzen mit Warten verbracht. Warten auf den großen Augenblick in Bonningues, aber auch auf Evelyn, Friedhelms Frau, die mit ihrer Tochter aus Deutschland nachgereist kam. Während Friedhelm den Vormittag nutzte, um ein wenig mit seinem Enkel zu spielen, machte der Rest der Truppe einen Stadtbummel durch Calais.

Zur Tortur wurde dann aber noch einmal die letzte Etappe – von Calais bis nach Bonningues. Auf dem Tacho lächerliche 26 km, aber die hatten es in sich. Denn die Straße führte auf den höchsten Punkt der Steilküste, das Cap Blanc Nez. Da bedurfte es schon noch einmal einer mörderischen Kraftanstrengung, die auch die nötige Erschöpftheit auf die Gesichter der Tour-Teilnehmer zauberte. Schließlich konnte man ja schlecht gut erholt nach 1100 Radkilometern in Bonningues einfahren. Aber die Berge hatten es noch einmal in sich: Wäre nicht das Ziel nur 3 km entfernt, so mancher hätte wohl im Stillen an das Aufgeben gedacht.

In Frankreich kein Problem: Oskar, Friedhelms Enkel, wird auf dem kalten Buffet gewickelt.
Letzter touristischer Höhepunkt: Am Strand des Ärmelkanals

Und dann ganz kurz vor dem Ziel noch einmal ein Riesenschreck: Bei Marianne bricht eine Pedale weg. Zum Glück ist mit Eberhard ein versierter Reparatur-Spezialist in der Truppe. Die Einfahrt in Bonningues konnte nach 17 Etappen und 1125 gefahrenen Rad-Kilometern wie geplant triumphal stattfinden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s