Speyer und Germersheim (59 km)

Die Wirtin war heute früh ein wenig knapp dran. Ihre schätzungsweise ein Jahr alte Tochter wollte nicht so früh raus. Wir schon. Das Frühstücksbuffet, das sie dann in kürzester Zeit für uns zauberte, war üppig. Samt Ei nach Wunsch für die Herren der Runde.

Gegen neun Uhr dann Inbetriebnahme der Räder von Eurobike. Probefahren auf dem Hof, nachstellen der Sättel. Meinen finde ich ungewöhnlich hart, ich beschließe, mir bei der nächsten Tour den eigenen von zu Hause mitzubringen. Hätte ich auch gleich dran denken können.

Wir machen uns auf Richtung Speyer. Micha, der Scout mit der Tourbeschreibung, vorweg, dann Silvi und Birgit. Eberhard und ich bilden die Nachhut.

Die Tour beginnt etwas nervös. Es geht bergab, von den Höhen der Hambacher Burg ins Rheintal, wir sind relativ schnell, die Autos noch schneller, die Straßen eng. Fahrradwege gibt es in der Stadt nicht, linksabbiegen macht wenig Spaß. Wir sind froh, als wir endlich im Wald sind.

Dort wartet die nächste Erfahrung: Die Räder sind offenbar ungefedert: Die ersten Kilometer führen über von Reitern mit den Hufen ihrer Pferde zerfurchte Waldwege, wir werden kräftig durchgeschüttelt. Später tritt es sich dann leichter.

Nach 25 km sehen wir das erste Hinweisschild auf eine Kneipe: „Die Hundehütte“, Vereinshaus des Schäferhundevereins von Dudenhofen. Ist uns egal, wir lassen uns ein Bierchen schmecken. Das hatten wir uns verdient.


Die Hundehütte war genau das, was wir nach 25 km im Sattel brauchten

Gegen Mittag sind wir in Speyer, wo wir die Fußgängerzone und den Dom recht schnell finden. Das größte romanische Gotteshaus der Welt wird ausgiebig besichtigt. Ich bin beeindruckt von der Schlichtheit des Kirchenschiffs. Die Reliquien-Sammlung in der Kapelle oben rechts im Altarraum sollten man sich auch nicht entgehen lassen: Neben Knochen von Heiligen gibt es dort unter anderem ein Stück vom Brautkleid der Heiligen Elisabeth. Sehr interessant.

Der Dom zu Speyer
Anfahrt auf den Dom zu Speyer

Danach geht es auf Stadtbummel. Wir finden eine Gaststätte mit typisch Pfälzer Gerichten – Kellnerin, Chefin und Köchin sprechen tschechisch (deutsch natürlich auch).

Die anderen nehmen Leberknödel, Flammkuchen oder Schnecken, ich halte mich an Omelett. Wußte gar nicht, was alles so typisch pfälzerisch ist.

Nur 'ne Kleinigkeit
Nur ’ne Kleinigkeit – so viel Zeit muss sein

Speyer liegt auf etwa der Hälfte der heutigen Tour, wir wollen weiter nach Germersheim. Also machen wir uns gegen halb drei auf in Richtung Rhein.

Und kommen gleich hinterm Dom am Technikmuseum Speyer vorbei. Flugzeuge, Lokomotiven, U-Boote, Schiffe sind da aufgebockt und können besichtigt werden. Eberhards Augen leuchten. Aber 18 Euro Eintritt (13, wenn man nur ins Museum selbst geht), sind ein wenig fett, wenn man maximal eine Stunde Zeit hat.

Auch durch Speyer fährt es sich nicht allzu gemütlich. Den Autofahrern sind die Radtouristen herzlich egal. So sieht man die Welt mal von der anderen Seite der Scheibe.

Dafür wird es dann am Rhein recht angenehm. Waren wir bis Speyer ruckeligen Waldwegen gefolgt, so genießen wir nun die Annehmlichkeiten des Asphalt hinter dem Rhein-Deich. Uns kommen kaum Radfahrer entgegen, vielleicht alle zwei, drei Minuten mal einer, sehr befahren ist die Strecke nicht.

So läßt sich's fahren
So läßt sich’s fahren

Allerdings sieht es auch schlecht mit Raststätten oder gar Ausflugsgaststätten aus. Die einzige, auf der wir auf den folgenden 15 Kilometern vorbei kommen, hat zu. Dafür machen wir Rast direkt am Rhein, mit einem wunderschönen Blick auf das Atomkraftwerk Philippsburg. Den genießen wir mit etwa 20 noch älteren Radfahrern, die sich ebenfalls an der einzigen Stelle eingefunden haben, an der man auf dieser Seite des Flusses direkt an den Rhein kommt.

Warum ist es am Rhein so schön?
Warum ist es am Rhein so schön?

Neun Kilometer vor Germersheim dann ein Umleitungsschild für Radfahrer. Die Bundesrepublik, die EU und was weiß ich wer noch, bauen den Deich neu. Wir haben Durst, wollen nur noch sitzen, aber selbst das Schützenvereinshaus Mechtersheim hat geschlossen. Nach insgesamt 20 Kilometern rettet uns die Bahnhofskneipe von Lengenfeld und deren Biergarten.

In dem bekämpfen sie gerade mit schwerem Gerät ein Hornissennest: Mit Industriestaubsauger und Feuerlöschschaum geht der Chef der Plage zu Leibe. Ist uns egal. Wir wollen drei naturtrübe Weizen und zwei Helle. Kommen sofort, macht 11,80. Herrlich.

Die Festungsstadt Germersheim empfängt uns mit Kreisverkehren, LKW-Betrieb und ungern für Radfahrer bremsenden Einheimischen. Wir retten uns in den Germersheimer Hof, in dem offenbar auch schon Kurt Beck und einige Volksmusikanten abgestiegen sind. Das Gepäck ist schon da. Fein. Dann können wir ja in Ruhe den lauen Sommerabend genießen.

Gott sei Dank. Der erste Tag ist überlebt.

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