Schwetzingen und Heidelberg (56 km)

Mein Sattel wird immer härter. Mein Hintern auch. Beides verträgt sich nicht so recht miteinander.

Wir verlassen Germersheim kurz nach neun Uhr. Zuvor haben wir wirklich ordentlich frühstücken können. Es wird die letzte Nahrungsaufnahme für lange Zeit gewesen sein.

Die Festung sparen wir uns – zu viele interessante Punkte liegen vor uns, als daß wir uns noch Militärbauten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts antun müssen. Überhaupt eine Schwäche der Radwanderungen, wie mir scheint: Die Start und Zielpunkte werden stiefmütterlich behandelt, weil man abends zu kaputt ist, um sich noch was ansehen zu wollen und morgens zu unruhig, weil man evtl zu viel Zeit verplempert, die einem dann im Laufe des Tages dann fehlen könnte.

Na ja, wir also so gegen halb zehn über den Rhein, auf das rechtsrheinische Ufer. Fahren bis Philippsburg, dort unmittelbar am Atomkraftwerk vorbei, folgen dem Fluß weiter nach Oberhausen und Rheinhausen.

Micha am AKW
Ha Ho He – stürmt das AKW!

Ich dachte immer, die Fahrradtouristen müßten doch eine Goldgrube für die einheimische Gastronomie sein. Aber die schwimmt offenbar schon im Geld. Auf den ersten 20 km nicht eine einzige Möglichkeit zum Pause machen: Kioske und Hotels haben zu, Biergärten machen erst um 17:30 auf, nicht einmal der Bioladen in Rheinhausen kann uns Erfrischendes bieten. Erst im Weißen Hirschen in Altlußheim kredenzt man uns Weiße und Helles. Übrigens wieder für 11,80 Euro die Runde, scheint hier ein Einheitspreis zu sein.

Wir folgen weiter dem Rhein, lassen das auf dem anderen Ufer liegende Speyer links liegen, kommen nach Ketschau. Die Bemerkung unseres Reiseführers zu diesem Ort hatte ich der Truppe seit Rheinhausen immer wieder vorgelesen: „In der Nähe von Ketschau führt die Route direkt an einem sehr schönen und gerade am Wochenende viel frequentierten Biergarten vorbei“.

Und der Reiseführer hatte nicht gelogen. Weit über 100 Fahrräder zeigten an: Hier nimmt man uns Radler noch ernst. Der Johannishof ist hervorragend organisiert und auf Wanderer eingestellt, Katharina bediente sehr freundlich und schnell, das Essen war absolut lecker und das Bier zischte. Die Küche ist nicht nullachtfuffzehn, der Koch probiert aussergewöhnliches und bietet kräftig Einheimisches. Wir entscheiden uns für ein Pilz-Tomaten-Risotto, Paprika-Würstchen, Bratwürstchen mit Sauerkraut, Flammkuchen. Alles empfehlenswert.

Eine Oase für Radler: Der Johannishof
Eine Oase für Radler: Der Johannishof

Am frühen Nachmittag kommen wir in Schwetzingen an, das ich bisher nur vom Wettsingen (Söhne Mannheims) kannte. Aber auch hier eine dicke Überraschung: Schloß und Schloßpark sind ein absolutes touristisches Highlight. Der Park sehr französisch, akkurat ausgerichtet und zugleich voller bunter Sommerblumen. Da überraschen Wasserspiele, Skulpturen in grünen Nischen, eine ganze Moschee (als Gestaltungselement im türkischen Garten war). Auch hier der Tipp, mal vorbeizuschauen.

Schloss Schwetzingen
Erinnert an Versailles: Schloss Schwetzingen

Der Weg nach Heidelberg erwies sich dann als tückisch: Die ausgewiesene Radstrecke wurde mehrfach durch Großbaustellen unterbrochen, irgendwelche Umgehungsstraßen, nehme ich an. Wir suchen uns neue Wege, kommen irgendwie nach Heidelberg rein. Hier kommt mir in einem Autotunnel auf ganz schmalem Weg ein Radfahrer entgegen, der gar nicht daran denkt, unserer Fünfertruppe auszuweichen, obwohl er auf der falschen Seite des Tunnels fährt. Ich schramme mir den rechten Unterarm beim Streifen der Tunnelwand auf und hasse erneut die sehr Fahrradfahrer-unfreundlichen Städte der Gegend.

Nicht immer war der Weg romantisch
Nicht immer war der Weg romantisch

Wir sind im IBIS-Hotel am Hauptbahnhof untergebracht. Man merkt, daß wir in einer touristischen Hochburg übernachten – Zimmerplatz ist rar. Um mich nach dem Duschen wieder anziehen zu können, muß ich das schmale Bad wieder verlassen. Der Fön ist vorhanden, aber funktioniert nicht. Na ja, aber sonst scheint das Hotel in Ordnung.

In ein paar Minuten geht es noch einmal los, nach Heidelberg rein. Hoffentlich entschädigt mich die Stadt für den Tunnel-Rüpel.

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