5. Etappe Vicenza – Padua (60 km)

Was für ein schöner Radfahrertag. Kein Regen, ein nur lauer Wind, die Temperaturen so zwischen 17 und 21 Grad (nach den zahlreichen Apothekenthermometern unterwegs).

Frühmorgens holten wir den Besuch Vicenzas nach. An der Basilika wie jeden Donnerstag buntes Markttreiben, di eerstmals seit Tagen hervorbrechende Sonne tut ihr übriges. Prächtige Patrizierhäuser rund um den Platz, viel kleine Läden, keine Drogerie- und Supermarktketten, wie wir das von Deutschland kennen in der Innenstadt. Wir erfreuen uns eine ganz Weile an dem italienischen Flair, machen uns dann auf in Richtung Padua.

Markttreiben in Vicenza
Markttreiben in Vicenza

Keine zwei Kilometer hinter der Stadtgrenze führt uns der Weg an einem berühmten Gebäude vorbei: Der Villa Rotunda, laut Eurobike-Begleitheft „der Höhepunkt der Bemühungen Palladios, das klassische Konzept von Villa und Tempel in einem Gebäude zu vereinen“. Besuchen können wir die „Runde“ allerdings nicht, das geht nur Mittwochs.

Villa Rotunda von Palladio
Die Villa Rotunda von Palladio wurde 1571 (!) gebaut und zählt heute mit zum UNESCO Weltkulturerbe

Die ersten 15 km bringen wir schnell auf einem gut ausgebauten Radweg hinter uns, danach geht es auf öffentlichen Straßen weiter, die nicht übermäßig stark von Autos befahren sind. In der Ebene fallen vor allem die Glockentürme der Kirchen auf, die wie Bleistifte in den Horizont ragen.

Kurz vor den Euganeischen Hügeln (400 Meter hohen Erhebungen, die wie Vulkankegel aussehen, aber keine sind), treffen wir in einem Café auf die Belgier, eine Gruppe von sechs Radlern, die uns mit franzöisch-flämischem Sprachgemisch mit deutschen und englischen Beigaben seit Bozen begleitet. Wir haben halt inzwischen den selben Rhythmus.

Die Belgier
Die Belgier haben sichtlich Spaß am Radfahren in Italien

Die Belgier übernachten in Abano Terme, einer Stadt die durch ihre Thermalquellen offenbar reich wurde – die Hotelmeile, an der der Radweg vorbei führt, ist schon eindrucksvoll. Wir haben bei DERtour die Option Padua gezogen, um diese Stadt noch am Abend besuchen zu können und somit Zeit für Venedig am folgenden Tag zu gewinnen.

Padua hat mir persönlich von allen Städten bisher am besten gefallen. Schon allein die Einfahrt: Keine italienische Stadt ist so autofrei wie Padua. Der Verkehr wird offenbar um das Zentrum herum geleitet, rein kommen nur Straßenbahn, Bus und Radfahrer (Fußgänger natürlich auch).

Padua wirbt damit, besonders fahrradfreundlich zu sein
Padua wirbt damit, besonders fahrradfreundlich zu sein

Und was ist das für ein Zentrum! Der Prato della Valle, laut Eurobike nach Rotem Platz und Place de la Concorde der drittgrößte Platz der Welt (bitte: Und was ist mit dem Tiananmen?) ist ein wunderbarer weiter Platz mit nicht weniger als 78 Statuen bedeutender Bürger, die in Padua geboren wurden oder hier wirkten.

Der Prato della Valle
Am Prato della Valle

Von ihm ab gehen Straßen mit Laubengängen und Geschäften, an denen vor allem auffällt, daß keine Discounter, Drogerieketten oder Ramschläden vertreten sind. Guter, alter Handel allüberall.

Padua ist allerdings nicht nur die Stadt der Radfahrer (so die Eigenwerbung), sondern auch die des Heiligen Antonius. Dessen Grab kann man in der Basilika del Santo besichtigen. Ist eine Messe wert. Sehr schön allerdings auch gleich daneben die Räumlichkeiten der Schule des Heiligen (so eine Art Orden zu seiner Verehrung, wenn ich die italienische Erklärungstafel recht verstanden habe). Sie ist ausgemalt von Tizian und seinen Zeitgenossen, mit zahlreichen Motiven aus dem Leben des Heiligen. Die vier Euro Eintritt sind auf alle Fälle gut investiert.

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