Guter Start

Hinter Volgograd begann die Wüste. Laut Flug-Navigationssystem. Denn gesehen habe ich sie nicht. Weil sämtliche Fenster-Zweierreihen unserer Boeing 767 von Teilnehmern einer Leserreise der Stuttgarter Nachrichten und den älteren Herrschaften einer Studiosus-Reisegruppe belegt waren.

Ansonsten verlief der Flug recht angenehm. Die Route führte über Polen, Weißrussland, Russland bedenklich nahe an der ukrainischen Grenze bei Charkow  vorbei, dann über Wolga-Mündung, Kaspisches Meer und Aralsee nach Kasachstan und schließlich Taschkent.  Fünfeinhalb Stunden für 4687 km.

Die Verpflegung im Flieger war ordentlich, auch wenn kein Bier ausgeschenkt wurde und die Vinologin an meiner Seite nach einem Schluck Roten mit säuerlichem Gesicht meinte, dies wäre der letzte für die nächsten 14 Tage. In der Zeit wird sie sich wohl zur Wodkologin weiterbilden.

BoardingAuf ins Abenteuer!

Die Ansagen der Crew erfolgten auf usbekischen, russisch und englisch und das waren auch die Sprachen in denen die Filme an Bord angeboten wurden. Die stammten hauptsächlich aus usbekischen, russischen und französischen Archiven. Einen Rotarmisten als Haupthelden eines Streifens hatte ich schon ewig nicht mehr gesehen.

Die usbekische Hauptstadt empfing uns dann feundlich. Die Paß- und Zollbeamten waren nicht ganz so furchteinflößend, wie ich mir das in meinen Reise-Alpträumen vorgestellt hatte, der Zöllner freute sich sogar, an mir seine spärlichen Deutsch-Kenntnisse ausprobieren zu können.

Draussen erwartete uns dann unser Reiseleiter -und unsere beiden Mitreisenden, intern freundlich die Bayern genannt. Karin und Thomas sind Profis in Bezug auf exotische Radreisen, sie waren schon auf  Touren in Südafrika, Vietnam, Thailand, auf Kuba. Und sie haben ein wenig Angst vor Reiseteilnehmern, die das alles sportlich sehen und die Tagestouren möglichst schnell runterreißen wollen. Wir verstehen uns auf Anhieb.

Unser Reiseleiter Sokur fragt uns, ob wir noch was zu Abend essen wollen. Wir wollen. Er führt uns um die Ecke des Hotels, na ja vielleicht sagen wir besser der Pension (aber europäisches Klo! Dusche! Klimanlage) in ein kleines Strassen-Restaurant. Wir lassen uns Schaschlyk-Spiesse kommen, mit einem wunderbaren geschmorten Gemüse-Teller. Wkustnui (köstlich)!

Reiseleiter Sokir, die Bayern und der Autor dieser Zeilen

In freudiger Erwartung auf das, was da so kommt: Reiseleiter Sokir, die Bayern und ich

Beim Gespräch erfahren wir übrigens, dass Russisch in Taschkent nicht als Fremdsprache gilt. Sondern als Zweitsprache – wird zusammen mit usbekisch ab der ersten Klasse in der Schule gelehrt und ist offizielle Schriftsprache (für Dokumente usw.). In Samarkand und Buchara, wo nicht so viele Russsen leben, sieht das freilich schon ganz anders aus.

Auf unserer CD Einsteigerkurs Russisch wird quasi in jeder Folge Wodka getrunken (aus rein didaktischen Gründen, wie ich annehme). Ich beschließe, das angeeignete Wissen in der Praxis anzuwenden und bestelle uns Fünfen zum Abschluss eine Flasche Wodka. Die Trinksprüche kommen flüssig von den Lippen, ich bin stolz auf mich.

Da wir schon in die Landeswährung Sum umgetauscht haben und ich mit der Wodka-Flasche sowieso den größten Posten auslöste, übernehme ich die Gesamt-Rechnung. Vier Schaschlyk-Spieße mit Reis und Gemüse, sieben 0,5-Liter-Gläser Bier (usbekische Produktion, aber wirklich trinkbar), drei Cola und eine Flasche Wodka kosten unterm Strich 110.000 Sum (40 Euro). Ich bin sehr zufrieden.

Vielleich wird die Reise ja besser, als ich dachte.

2 Gedanken zu „Guter Start

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