Rund um Poel

Es ist nicht zu fassen. Die Sonne scheint. Kräftig, so als ob sie noch nie etwas von Wetter Apps und Metereologen gehört hat. Kräftig allerdings bläst auch der Wind. Dennoch: Wir lassen das hauseigene Spa im Schäfer Eck Spa sein und entscheiden uns für aktive Erholung. Wir wollen rüber nach Poel – und dort dann einfach sehen, wie weit uns das Wetter kommen läßt. Folgen werden wir dem Ostsee-Radwanderweg, der auf Poel einen Rundkurs bildet, quasi als fakultative Zusatzstrecke auf dem Weg von Lübeck nach Rostock.

Zur Insel Poel führt ein Damm mit einer Straße und einem Radweg daneben. Der Wind bläst von der Seite, kein Problem. Nach ungefähr anderthalb Kilometer kommen wir an eine kleine Brücke, die über einen schmalen Seitenarm der Ostsee rüber zur Insel führt. Hätten sie beim Dammbau ohne große Probleme auch zuschütten können. Aber dann wär Poel halt keine Insel mehr.

Nach drei Kilometern wenden wir uns gleich an der ersten Einmündung in Fährdorf nach rechts in Richtung Gressow. Mit dem starken Wind im Rücken und bei Sonnenschein fährt es sich prima an eingezäunten Versuchsfeldern vorbei. Die Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG ist bei der Rapszucht Marktführer in Deutschland.

Modernste Kommunikationsmittel direkt am Wegesrand

Modernste Kommunikationsmittel direkt am Wegesrand

Nach rund sechs Kilometern erreichen wir Gollwitz, ein kleines Dorf an der Nordspitze der Insel. Hier sollte am heutigen Pfingstsonntag eigentlich ein Blues-Konzert am Turm der Nebelstation stattfinden, aber das fällt aus.

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Die Nebelstation bei Gollwitz: Einsam und verlassen

Dafür steht aber ein Schankwagen auf einer Wiese und ein paar Biertisch-Garnituren laden zur Pause ein. Lassen wir uns nicht zweimal sagen. Und bekommen zum Bier noch ein herrliches Schauspiel geliefert: Einen Esel, der irgendwo ausgerissen ist und noch mit dem Seil um den Hals durchs Dorf rennt, verfolgt von einem vielleicht zwölfjährigen Mädchen, das keine Chance hat, den Vierbeiner einzubekommen … Landleben!

Hinter der Nebelstation wird der Rad- zum Uferweg. Nicht mehr asphaltiert, aber breit und festgefahren, es rollt. Vor allem weil der Wind nicht zu uns durchdringt – der Weg ist von Bäumen und Büschen umsäumt. Hier hat Poel ein Stück Steilküste, von der sich das Meer immer wieder mal ein paar Stücke holt. Daher auch die zahlreichen großen Steine auf dem Ufer und im Wasser. An einem von ihnen steht ein Brandungs-Angler mitten im Wasser. Sieht romantisch aus, wäre mir aber entschieden zu kalt.

Wildromantisch: Die Steilküste zwischen Gollwiotz und Am Schwarzen Busch

Wildromantisch: Die Steilküste zwischen Gollwitz und Am Schwarzen Busch

Nach fünf Kilometern erreichen wir dann den „Schwarzen Busch“, eine Ortschaft, die fast nur aus Ferienhäusern und Pensionen zu bestehen scheint. Wir diskutieren, wie wir weiterfahren – den offiziellen Ostsee-Radwanderweg entlang, der kurz ins Inselinnere schwenkt oder weiter auf dem ebenfalls als Radweg ausgewiesenen Pfad am  Ufer?

„Fahr’n Se den offiziellen Weech“, rät uns von einer Bank ein urlaubender Sachse. „Den anderen Weech ham mer oooch probiert – nur jeschobn bei däm Sand!“ Okay – und Danke für den Rat!

Wir fahren über DDR-Postenwege (oder waren es die der LPG? Jedenfalls die typischen Betonstraßen jener Zeit) und kommen dann nach weiteren fünf Kilometern in Timmendorf heraus. Offenbar dem touristischen Zentrum der Insel, den Menschenmassen nach zu urteilen, die die breite Dorfstraße runter zum Hafen bzw. von dort zurück zum zentralen Parkplatz pilgern.

Wir haben Glück, die Sonne verschwindet langsam hinter den immer zahlreicher werdenden Wolken und der Wind frischt auf. Dadurch haben wir die Terrasse der Poeler Kogge fast ganz für uns alleine (weil man es da auch nur hinter der Randmauer und ihren Glasscheiben windgeschützt aushalten kann). Reicht für ein frisch gezapftes Bier, Essen wollen wir später in Kirchdorf.

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Von der „Poeler Kogge“ aus hat man eine schöne Sicht auf den Hafen von Timmendorf

Angesichts des sich bedrohlich verdunkelnden Himmels beschließen wir Kirchdorf direkt anzusteuern und den Radweg neben der Straße zu nutzen anstelle des Umweges am FKK-Strand entlang.Eine goldrichtige Entscheidung: Am Gutshaus Wangen, genau da, wo Abkürzung und Umweg wieder zusammentreffen, hagelt es plötzlich, es blitzt und donnert und schüttet wie aus Eimern. Ein Buswarte-Häuschen bietet genug Platz für uns alle, die Satteltaschen auf den Rädern bekommen dagegen ganz schön was ab.

Eigentlich hat man es ja kommen sehen: Gewitterfront über Timmendorf

Eigentlich hat man es ja kommen sehen: Die Gewitterfront über Timmendorf

So schauerlich der Regen/Hagel-Guß auch war, nach knapp 20 Minuten läßt er nach und wir radeln die restlichen zwei Kilometer rüber nach Kirchdorf, wieder auf gut ausgebautem Radweg. In Kirchdorf allerdings haben wir ein Problem: In den Kneipen sitzen lauter Regenflüchter, die gerade erst bestellt hatten. Letztlich finden wir im „Hafen-Pavillion“ einen Tisch, der gerade von einer Familie geräumt wird. Das Essen dort ist ordentlich, die Bedienung fix – es läßt sich aushalten.

Vom Kirchdorfer Hafen aus fahren viermal täglich Schiffe der Adler-Linie zum Altren Hafen in Wismar

Von Kirchdorf aus fahren viermal täglich Schiffe der Adler-Linie nach  Wismar

Ein Klacks dann der Weg zurück – noch einmal sechs Kilometer bei Steifer Brise von der Seite sind schnell abgerissen, wir beschliessen den Tag nach 31 Rad-Kilometern bei nicht gerade idealem doch unterm Strich größtenteils sonnigem Wetter mit dem gemütlichen Teil …

 

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