Rückreise Venedig – Bozen (1 km)

Wir haben beschlossen, auf den von Eurobike angebotenen Shutle-Service Venedig-Bozen zu verzichten (kostet 55 Euro pro Person, inklusive Rad). Stattdessen wollen wir die italienische Bahn nutzen, um zurück nach Südtirol zu gelangen. Bereits in Venedig haben wir uns am Bahnhof Santa Lucia nach den Verbindungen erkundigt (dringend notwendig, da nicht alle Züge Fahrräder mitnehmen!) und Fahrkarten gekauft. Und es hat uns fast vom Hocker gehauen: Für die gut 300 Kilometer verlangt die italienische Bahn nur 14,05 Euro plus 3,50 Euro je Rad. Jetzt begreife ich, warum die Züge hier so voll sind – mit solchen Preisen kriegt man die Leute vom Auto in die Bahn!

Regionalzüge, die Fahrräder mitnehmen, haben spezielle Fahrradabteile. In denen kann man die Räder wie an Schlachterhaken aufhängen. Gar nicht so schlecht die Idee – platzsparend und sicher.

Rund viereinhalb Stunden haben wir insgesamt gebraucht, inklusive des einen Kilometers zum Bahnhof in Mestre, mit einmal umsteigen in Verona. Mit dem Shuttle wäre es eine Stunde schneller und wahrscheinlich früher gegangen. Aber so haben wir wenigstens 80 Euro gespart.

Das reicht für fünf Kaffee im „Florian“ am Markusplatz in Venedig.

Beim nächsten Besuch.

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Vor dem Hauptbahnhof von Venedig

6. (und letzte) Etappe Padua – Venedig (38 km)

Venedig wartet – also machen wir uns sehr früh auf den Weg. Der ist dank der Eurobike-Marken leicht zu finden, aber nach ungefähr zwei Kilometern stellt sich uns an einem Kanal eine Müllverarbeitungsanlage riesigen Ausmaßes in den Weg. Ein Vorarbeiter verweigert uns die Weiterfahrt übers Werkgelände, wir schlagen uns durch den Ort Noventa durch – sehr zum Ärger italienischer Autofahrer, die hier gern ungestört rasen möchten.

Zurück am Canale Piovego und später an einem ebenfalls kanalisierten Seitenarm der Brenta bekommen wir einen Eindruck davon, welchen Reichtum die alte venezianische Republik einst hervorbrachte: Eine Prachtvilla neben der anderen säumt die Wasserstraßen. Wohl mit am eindrucksvollsten: Die Villa Pisani bei Stra. Ein italienisches Versaille.

Das italienische Versaille bei Stra
Die Villa Pisani – das italienische Versaille bei Stra

Der Eintritt von 10 Euro ist uns im Gegensatz zu zahlreichen bayerischen Radlern, die vor uns eintreffen, nicht zu viel, aber wir haben keine Zeit. Wir wollen La Serenissima, die Erhabene sehen. Wir wollen nach Venedig.

Aus diesem Grund schummele ich auch das erste und einzige Mal: Hinein nach Mestre, der Stadt vor Venedig, wo wir übernachten, nehmen wir eine Abkürzung. Verfahren uns kurz im Gewerbegebiet, kommen aber dennoch glücklich und noch vor unseren Koffern am Hotel in Mestre an.

Von Mestre aus, so erklärt uns der Mann an der Rezeption, kann man mit einem kombinierten Ticket für Bus und Bahn 12 Stunden lang alle Nahverkehrsmittel im Großraum Venedig nutzen, also auch in die Lagunenstadt kommen (die Fahrt dauert 20 min). Kostet 16 Euro pro Person. Lohnt sich aber: Eine einfache Fahrt mit dem Bus kommt normalerweise 1,80 Euro, mit dem Boot kann man eine einfache Fahrt für 6,50 Euro absolvieren – und die braucht man auch, will man den Canale Grande sehen, und den Lido und auch mal zwischendurch zur Rialto-Brücke.

Am Ziel: La Serenissima
Am Ziel: Venedig, auch La Serenissima, die Erhabene genannt

Aber 16 Euro sind ja reinweg gar nichts. So viel kostet am Markusplatz gerademal ein Kaffee. Ungelogen. Ich habe es schwarz auf weiß vor mir: Cappucino im Florian (wo früher die berühmten Künstler saßen) 8,50 Euro. Dazu 6 Euro Musik-Zuschlag für eine Russen-Kapelle, die vor dem Café St.-Pauli-Lieder spielt. Pro Person. Macht 29 Euro für zwei Cappucino. Das geht nur in einer Stadt, die durch den Handel groß geworden ist. Aber dafür ist einem auch die Gattin ein Leben lang verpflichet, weil mann diese Geldschneiderei mitgemacht hat.

Im Café Florian
Gut, sie hat ihren völlig überteuerten Café im „Florian“ bekommen. Aber dafür ist sie mir jetzt auch ein Leben lang verpflichtet

Venedig selbst ist natürlich immer eine Reise wert. Was für prachtvoll Paläste, welch wertvolle Kunstwerke, jeder Stein atmet hier jahrhundertealte Geschichte. Mein persönlciher Favorit: Die Kirche Maria Gloriosa dei Frari. Nicht nur, daß dort ein sieben Meter hohes Altarbild von Tizian (und das Grabmal des Meisters) zu bewundern ist, vor allem gefällt mir das pyramidenförmige Grabmal Canovas. Könnt ich mir stundenlang ansehen.

Postkarten-Idylle
Ungelogen: Sieht genau so aus wie auf den Postkarten!

Am Marcus-Platz
Am Marcus-Platz

Venedig
Bella Italia

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Warten auf Kundschaft

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Canale Grande und Rialto Brücke

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Über den Canale Grande kommt man mit billigen Linien-Gondeln

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Man kann aber auch die teure Variante wählen

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„Straßenszene“ kurz hinter Dogenpalast und Seufzerbrücke

5. Etappe Vicenza – Padua (60 km)

Was für ein schöner Radfahrertag. Kein Regen, ein nur lauer Wind, die Temperaturen so zwischen 17 und 21 Grad (nach den zahlreichen Apothekenthermometern unterwegs).

Frühmorgens holten wir den Besuch Vicenzas nach. An der Basilika wie jeden Donnerstag buntes Markttreiben, di eerstmals seit Tagen hervorbrechende Sonne tut ihr übriges. Prächtige Patrizierhäuser rund um den Platz, viel kleine Läden, keine Drogerie- und Supermarktketten, wie wir das von Deutschland kennen in der Innenstadt. Wir erfreuen uns eine ganz Weile an dem italienischen Flair, machen uns dann auf in Richtung Padua.

Markttreiben in Vicenza
Markttreiben in Vicenza

Keine zwei Kilometer hinter der Stadtgrenze führt uns der Weg an einem berühmten Gebäude vorbei: Der Villa Rotunda, laut Eurobike-Begleitheft „der Höhepunkt der Bemühungen Palladios, das klassische Konzept von Villa und Tempel in einem Gebäude zu vereinen“. Besuchen können wir die „Runde“ allerdings nicht, das geht nur Mittwochs.

Villa Rotunda von Palladio
Die Villa Rotunda von Palladio wurde 1571 (!) gebaut und zählt heute mit zum UNESCO Weltkulturerbe

Die ersten 15 km bringen wir schnell auf einem gut ausgebauten Radweg hinter uns, danach geht es auf öffentlichen Straßen weiter, die nicht übermäßig stark von Autos befahren sind. In der Ebene fallen vor allem die Glockentürme der Kirchen auf, die wie Bleistifte in den Horizont ragen.

Kurz vor den Euganeischen Hügeln (400 Meter hohen Erhebungen, die wie Vulkankegel aussehen, aber keine sind), treffen wir in einem Café auf die Belgier, eine Gruppe von sechs Radlern, die uns mit franzöisch-flämischem Sprachgemisch mit deutschen und englischen Beigaben seit Bozen begleitet. Wir haben halt inzwischen den selben Rhythmus.

Die Belgier
Die Belgier haben sichtlich Spaß am Radfahren in Italien

Die Belgier übernachten in Abano Terme, einer Stadt die durch ihre Thermalquellen offenbar reich wurde – die Hotelmeile, an der der Radweg vorbei führt, ist schon eindrucksvoll. Wir haben bei DERtour die Option Padua gezogen, um diese Stadt noch am Abend besuchen zu können und somit Zeit für Venedig am folgenden Tag zu gewinnen.

Padua hat mir persönlich von allen Städten bisher am besten gefallen. Schon allein die Einfahrt: Keine italienische Stadt ist so autofrei wie Padua. Der Verkehr wird offenbar um das Zentrum herum geleitet, rein kommen nur Straßenbahn, Bus und Radfahrer (Fußgänger natürlich auch).

Padua wirbt damit, besonders fahrradfreundlich zu sein
Padua wirbt damit, besonders fahrradfreundlich zu sein

Und was ist das für ein Zentrum! Der Prato della Valle, laut Eurobike nach Rotem Platz und Place de la Concorde der drittgrößte Platz der Welt (bitte: Und was ist mit dem Tiananmen?) ist ein wunderbarer weiter Platz mit nicht weniger als 78 Statuen bedeutender Bürger, die in Padua geboren wurden oder hier wirkten.

Der Prato della Valle
Am Prato della Valle

Von ihm ab gehen Straßen mit Laubengängen und Geschäften, an denen vor allem auffällt, daß keine Discounter, Drogerieketten oder Ramschläden vertreten sind. Guter, alter Handel allüberall.

Padua ist allerdings nicht nur die Stadt der Radfahrer (so die Eigenwerbung), sondern auch die des Heiligen Antonius. Dessen Grab kann man in der Basilika del Santo besichtigen. Ist eine Messe wert. Sehr schön allerdings auch gleich daneben die Räumlichkeiten der Schule des Heiligen (so eine Art Orden zu seiner Verehrung, wenn ich die italienische Erklärungstafel recht verstanden habe). Sie ist ausgemalt von Tizian und seinen Zeitgenossen, mit zahlreichen Motiven aus dem Leben des Heiligen. Die vier Euro Eintritt sind auf alle Fälle gut investiert.