Zweite Etappe: Lübben – Tropical Islands – Krausnick (56 km)

Wir haben in Lübben Probleme, aus der Stadt herauszufinden. Irgend jemand fand es besonder schlau, die Markierungen der Radtouristikfirmen wie Eurobike, Mecklenburger Radtouren oder Land und Leute von den Laternenmasten zu entfernen. Mag ja schön fr das Stadtbild sein, führt aber zu Frust bei den Radtouristen, die die Kreisstadt des Dahme-Spreewaldkreises so in schlechter Erinnerung behalten (dabei lohnt die sich schon, mit Schloss, Schlossinsel und einem netten Markt – jedenfalls wenn auf diesem Markttag ist, wie bei uns am Mittwoch).

Wir irrten also wie auch andere Radtouristen durch einen kleinen Park und fanden den Weg in Richtung Lubolz dann irgendwie – unter Auslassung eines etwa 4 km langen Abschnittes, der durch Lübben und ein angrenzendes Naturschutzgebiet führt. Selbst schuld, liebe Stadtväter.

Lübben
Lübben

Bis Lubolz fuhr es sich ganz wunderbar. Asphaltierter Radweg, gerade, ebene Strecke, wenig Wind von der Seite – Radfahrer-Herz, was willst Du mehr? Wir machen eine Abstecher auf ein Gurkenfeld, wo die Ernte gerade in vollem Gange ist. 24 Rumänen liegen da links und rechts auf dem Aufliegern eines „Gurkenfliegers“ und ernten die Spreewald-Spezialität. Für 3,45 Euro die Stunde.

Zweite Etappe: Lübben - Tropical Islands - Krausnick (56 km)
Rumänen bei der Gurken-Ernte

Etwas nerviger wird es dann in Richtung Niewitz. Denn es geht auf öffentlicher Straße weiter und die ist realtiv gut befahren.

Man merkt ausserdem, dass wir uns jetzt etwas abseits der Touristenströme bewegen, im Radführer finden sich kaum Angebote, wir sehen auch nur sehr wenige Leute auf dem Rad. Aber es gibt dennoch so einiges zu entdecken: Ein verfallenes eindrucksvolles Gutsgebäude in Niewitz, die sehr eindrucksvolle Galerie der Glasgestalterin Beate Bolender (die Künstlerin empfing uns herzlich in ihrem etwas versteckt im Wald gelegenen Atelier und erläuterte bereitwillig ihre Arbeiten), der Spreewaldhof mit seinen regionalen Produkten in Golßen (als wir ankamen war allerdings Mittagspause (von 12 bis 14 Uhr).

Im Garten der Glasgestalterin Beate Bolender
Im Garten der Glasgestalterin Beate Bolender

Empfehlenswert: Das Mittagessen in Prierow (den Namen der Gaststätte habe ich mir leider nicht notiert, aber es gibt nur eine, direkt an der B115) war wirklich lecker.

Von Prierow aus ging es über einen edlen Radweg (mit bunten Betonsteinen gepflastert) durch tiefe Kiefernwälder, Wiesen und Sümpfe Richtung Rietzneuendorf und dann weiter zum Bahnhof Burg, wo wir die Bahnstrecke Berlin-Cottbus überquerten um zum Tropical Islands zu gelangen.

Hierbei handelt es sich um die ehemalige Produktionshalle von Cargolifter (Zeppeline) die 360 Meter lang, 210 Meter breit und 107 Meter hoch mit viel Fördermitteln in die brandenburgische Landschaft geklotzt wurde. Heute befindet sich dort ein nachgebautes tropisches Urlaubsparadies drin, mit Bade- und Saunalandschaften, Hotel und was weiß ich. Angeblich schrammte das Unternehmen mehrmals scharf an der Pleite vorbei, soll inzwischen aber gut von den Berlinern, Brandenburgern und vor allem Polen angenommen sein.

Wir kommen leider nur bis zur Kasse (Tageskarte 29,50 Euro), sehen nicht allzu viel. Aber wie gesagt, die Halle beeindruckt ja vor allem durch ihre Ausmaße.

Die Halle des Tropical Islands
Die Halle des Tropical Islands

Die restlichen 7 km geht es auf öffentlicher Straße bergab bis nach Krausnick, vorbei an ehemaligen Russen-Kasernen – Hinweis darauf, daß die Cargolifter-Halle an einem früheren Militärflughafen errichtet wurde. Nach 56 km und gut 4 Stunden reiner Fahrtzeit ist die zweite Etappe der Spreewald-Rundfahrt für uns beendet.

Erste Etappe: Cottbus – Lübben (70 km)

Cottbus zeigt sich von einer unerwarteten Seite: Überaus freundlich und srviceorientiert. Wir sind am Vorabend noch ein wenig durch die Altstadt geschlendert und im „Stadtwächter“ eingekehrt. Wo es warme Küche bis morgens früh um vier gibt. Später sprechen wir eine junge Kellnerin auf dem Marktplatz an, die vor leeren Tischreihen am Tresen steht. Warum sie denn dort stehe, wenn keine Kunden da seien? „Kann doch sein, daß welche kommen.“

Cottbus am Abend
Wilder Osten: Beim Junggesellinnen-Abend in der Kneipe war es so eng, dass der Stripper später am Abend draussenauf dem Platz tanzen musste …

Der Veranstalter bringt uns im Lindner Congress Hotel im Stadtzentrum unter. Eine gute Wahl, wir sind sehr zufrieden (auch hier übrigens wieder mit dem sehr freundlichen Personal). Dort starten wir kurz nach 9 Uhr am Sonntagmorgen Richtung Lübben.

Der Gurkenradweg ist in diesem Abschnitt sehr gut ausgeschildert, wir haben kein größeren Probleme. Bis nach Burg geht es auf dem ehemaligen Bahndamm der Spreewaldbahn, die Strecke fährt sich leicht und angenehm, sie ist durchweg asphaltiert. Es geht vor allem durch märkische Kiefernwälder, Orte werden kaum gestreift. Nach 18,5 km erreichen wir Burg, das bereits im Biosphärenreservat Spreewald liegt.

Wo dummerweise (für die Männer) gerade Töpfermarkt ist. Ein richtiger Töpfermarkt, mit vielen Keramik-Anbietern aus der Gegend. Aber auch Gurken, Leinöl, Merrettich und andere typische Produkte finden sich. War nicht schwer, dort eine Stunde Zeit zu verlieren.

Töpfermarkt in Burg
Töpfermarkt in Burg – zum Glück gab’s auch Bier-Stände

Von Burg aus führt der Gurkenradweg weiter in Richtung Vetschau und Raddusch, ein kleines Dorf, das wir nach etwa 40 km erreichen. Der Weg bis dahin ist teilweise unangenehm: Er führt über fünf, sechs Kilometer über eine realtiv enge, an diesem Sonntag aber stark befahrende, öffentliche Straße.

Am Rande von Raddusch (genauer gesagt 2,5 km entfernt) wurde eine Slawenburg komplett nachgebaut, die zu besichtigen sich sicher lohnt (Eintritt 4,50 Euro). Wir haben uns das eindrucksvolle Bauwerk von außen angesehen, sind aber nicht rein, weil wir noch ein ganzes Stück Weg vor uns haben.

Slawenburg bei Raddusch
Slawenburg bei Raddusch

Jetzt folgt eigentlich der schönste Teil der Tour – an malerischen Kanälen, Wiesen mit Störchen, Fischteichen vorbei in Richtung Lübbenau. Eine wunderbar Strecke, die bei diesem schönen Wetter (Sonne und Wolken, 20 Grad) allerdings viele Radfahrer gnießen wollen.

Spreewald-Idylle
Spreewald-Idylle

Wir erreichen Lübben, das Zentrum des Spreewaldtourismus nach ungefähr 58 km Fahrt – wobei wir vorher einen Abstecher in das Museumsdorf Lehde machen. Das sehr voll mit den Gästen der zahlreichen Kahnfahrten ist, die im Hafen von Lübbenau starten und hier ein lohnenswertes Ziel für die Verköstigung der Massen finden.

Kahntouristen
Kahntourismus

Etwas ruhiger wird es dann wieder auf dem Weg nach Lübben, Verwaltungszentrum des Dahme-Spreewald-Kreises. Wir kommen kurzzeitig von Gurkenradweg ab (den wir auch in Burg und Raddusch verloren hatten), aber das macht nichts – alle Wege scheinen hier zum selben Ziel zu führen. Die Strecke ist hervorragend ausgebaut, meist asphaltiert, über Sümpfe führen hervorragend befahrbare Bohlensteige, kein Problem.

Brücke über einen Kanal
Einzige Herausforderung für Radler – die Brücken über die Kanäle

Wir erreichen das Ziel am späten Nachmittag und nach 69,8 gefahrenen Kilometern.

Durch den Spreewald

Wir waren mit dem Fahrrad in Frankreich und sogar in England, haben die Rhein-Neckar-Tour genossen und die Mecklenburger Seenplatte, sind durch strömenden Regen und bei viel Gegenwind von Bozen in den Südtiroler Alpen bis nach Venedig geradelt.

Und wollen es in diesem Jahr mal etwas ruhiger angehen: Auf dem Gurkenradweg durch den Spreewald. Start ist am Wochenende in Cottbus, dann geht es über Lübben, Krausnick, Schlepzig und Burg quer durch Auen, Moore und über die vielen Seitenkanäle und Flußarme der Spree.

Wir, drei Paare so um die fünfzig, freuen uns auf eine hoffentlich schöne Tour, nette Leute, die eine oder andere Brauerei, die eine oder andere Brennerei – und natürlich viele, viele Gurken. Also auf ’ne Menge Spaß im Urlaub.

Und den Erfahrungsbericht gibt es dann hier, an dieser Stelle. Ab Sonnabend.

Gurkenradweg