Ab in die Wüste

Der Worte sind genug gewechselt: Lasst uns Wüste sehen! Das hier ist nun mein letzter Eintrag unter dem tag „Vorbereitung“ – der nächste kommt dann schon von unterwegs. Morgen früh auf dem Flughafen Frankfurt werde ich wohl genug Zeit zum schreiben haben, wenn wir sieben Stunden auf den Flug warten.

Wie es dann mit dem Bloggen aus Usbekistan aussieht weiss ich noch nicht. Ich rechne mal damit, dass es in den ersten zwei Tagen klappt – wenn wir in Taschkent und Buchara sind.

Dann geht es ein ab durch die Wüste – keine Ahnung ob Töpfermeister Abdullah Aka WLAN hat.

Und zum Schluss hoffe ich wieder auf die Großstadt und ein modernes Hotel in Samarkand.

Wegen der wahrscheinlich teuren Datenpakete werde ich mich dann wohl auch auf ein Foto pro Eintrag beschränken – der Rest wird dann in Deutschland nachgeschoben.

So wie ich mir auch vorgenommen habe, von unterwegs erst einmal nur kurze, provisorische Texte zu schicken, die nach unserer Rückkehr dann mit Bildern und vielen zusätzlichen Informationen fein gemacht werden. Erstmal geht es ja nur darum, erste Eindrücke zu vermitteln.

Wir sind jedenfalls schon sehr gespannt auf das Abenteuer – begleitet Ihr uns?

Spielende Jungs vor historischer Ruine


Auf solche Spitzen-Motive hoffen wir auch. Foto: Mein Vater (vor 50 Jahren)

Sprach-Genie

In meinem Alter sollte man sich sowas wie Russisch nicht mehr zumuten. Kyrillische Schrift. Sechs Fälle. Unaussprechliche Buchstaben die solch prosaische Bezeichnungen wie Weichheitszeichen und Hartheitszeichen tragen. Aber die meisten Usbeken verstehen angeblich Russisch, also versuchen wir es damit.

Dafür haben wir uns eine Einsteiger-CD zugelegt, deren Lektionen ich seit Wochen morgens und abends im Auto abarbeite. Fröhliche Russen sprechen vor und ich brabbel mürrisch nach.

Gut, ein paar Sachen sind inzwischen unauslöschlich in mein Gehirn eingebrannt. Ana leschit na tachta – sie liegt auf dem Bett, zum Beispiel. Oder dostoprimetschatelnosti – die Sehenswürdigkeiten. Ob man das jemals braucht – andere Frage.

Ja prosto wowtorge – ich bin begeistert, werde ich auf alle Fälle mal einsetzen: Herrliches Angeber-Russisch.

Nun gibt es leider auch sehr viel Worte, die wollen einfach nicht mehr in meinen alten Kopf hinein: Was hieß nochmal djestwitjelno? Aber dafür habe ich ja zum Glück eine Übersetzer-App auf dem iPhone:

„Wirklich“ teilt mir eine Frauenstimme mit. Ah ja.

Und was hieß nochmal nawerno? Die Übersetzer-App zögert keine Sekunde:

„Na Werner“.

Usbekinnen posieren für meinen Vater

Vor 50 Jahren kam mein Vater in dem Land prima auch ohne Russisch zurecht – hier posen sprachlose Usbekinnen für den attraktiven Ausländer.

Unter Strom

Ich frage mich, wie gut Usbekistan auf uns vorbereitet ist. Hoffentlich haben die einen Energieminister, der was von seinem Fach versteht. Denn wir werden Strom brauchen. Viel Strom.

Während sich die Abenteuerlustige mit der wichtigen Frage beschäftigt, was man denn eigentlich so in der Kyssul Kum trägt, so morgens, mittags und abends, und entsprechende Sachen für den Koffer wäscht, rauslegt, nachkauft, mache ich mir Gedanken um die technische Ausstattung. Und frage mich, wo ich die denn nun eigentlich noch unterkriegen soll.

Denn da muss einiges mit: Zwei iPhones, eines mit deutscher (Dienst-)Nummer und eines mit usbekischer SIM, wie wir hoffen. Ein Tablet, weil sich der Blog nun mal auf dem iPhone so schlecht schreibt. Eine Filmkamera für das Video, das wir nachher auf einer Veranstaltungs-Tournee in den Dörfern unserer Umgebung zeigen wollen (Arbeitstitel: „Märchen aus Dreizehnundeiner Nacht“). Eine Action-Kamera für die fotografierfreudige Gattin, die sie sich an die Fahrradstange oder in die Hand klemmen kann (so klein ist die). Den großen Fotoapparat für die professionellen Fotos. Eine mobile Ladestation, falls eines der Geräte unterwegs nachgeladen werden muss. Ein Kindle Lesegerät für die Urlaubslektüre während langer Wartezeiten auf dem Flughafen, im Nachtzug oder im Jurtendorf. Eine stationäre Ladestation, die ich mir extra angeschafft habe – kann ja sein, dass Töpfermeister Abdullah Aka nur eine einzige Steckdose hat.

Stationäre Ladestation

Meine stationäre Ladestation: Kann neun Geräte gleichzeitig aufladen!

Und für all das natürlich Kabel, denn da seien Apple, Samsung und Sony davor, dass wir mal ein einheitliches Ladekabel für alle Geräte bekommen.

So, jetzt stelle ich mir vor, ich habe alles was aufzuladen ist an meine Ladestation gehängt und stecke deren Stecker dann in die Steckdose: Hält das usbekische Stromnetz diese Lastspitze aus oder werden wir wegen Sabotage noch im Hotel verhaftet?

Ein Glück, dass unsere Fahrrad-Computer nur Solarstrom brauchen.

Sonne sollen sie ja da genug haben.

Laut meinem Vater stand das usbekische Stromentz schon vor 50 Jahren auf äußerst soliden Fundamenten.

Laut meinem Vater stand das usbekische Stromnetz schon vor 50 Jahren auf äußerst soliden Fundamenten.